Wir sind ein Bündnis aus Kunst- und Kulturschaffenden, ClubbetreiberInnen,
politischen Gruppen und FreiraumbewohnerInnen, die von den derzeitigen Umstrukturierungsprozessen betroffen sind.
Für den 11. Juli, ein Jahr nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid "Spreeufer für alle" rufen wir zu einer fetten
Demo-Parade auf um gegen die Stadtpolitik von oben zu protestieren.
Der Krisenverwaltungspolitik und den Stadtentwicklungsstrategien zwischen fadem Historismus und Größenwahn stellen
wir ein Recht auf eine kulturell vielfältige, freie und soziale Stadt entgegen.
Wir wollen mit entscheiden, was in unserer Stadt geschieht. Mit dem Bürgerentscheid haben wir uns bewusst
entschieden gegen eine privatisierte Vermarktung des Spreeufers, für ein öffentliches Spreeufer,
das den Bewohnern der Stadt auf mehr als nur zehn Metern frei zugänglich ist und für eine alternative,
soziale und ökologische Stadtentwicklung. Und wir wollen, dass diese gemeinsame Entscheidung endlich umgesetzt wird.
Wir haben ein Recht auf unsere Stadt und ein Recht darauf, selber zu bestimmen wie wir ein gutes Leben darin führen
wollen. Wir sind Megaspree und nicht Mediaspree. Wir sind die Kinder Berlins und wir werden bleiben.
In Kreuzberg und Friedrichshain sind Freiräume und die lokale Sub- und Clubkultur bedroht. Während der marode Berliner Senat Massen- und Monokultur wie O2 World, Universal und Mediaspree mit Millionen fördert, wird die Unterstützung für alternative Projekte zusammengestrichen und die Musik- und Kulturszene an den Rand gedrängt. Die Reize und Potentiale der Stadt werden missachtet und alternative Konzepte und Projekte torpediert. Gegen den ausdrücklichen Willen der Bewohner wird nur noch in Gebäude, Wohnungen und Büroflächen für Besserverdienende investiert. Die Systematik dieser einseitigen Entwicklung ist verantwortlich für massive Mietsteigerungen und für die zunehmende Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsteile. Eine Entwicklung, die durch die verkehrs- und umweltpolitischen Konzepte der Stadtpolitik noch verstärkt wird.
Statt endlich wirklich nachhaltig und zukunftsorientiert die Verkehrspolitik auf den Vorrang von öPNV und Rad- und Fußgängerverkehr auszurichten, wird mit betonköpfiger Starrheit an Straßen- und Autobahnprojekten festgehalten - eine verfehlte Politik, die u.a. auch zur Zerstörung mehrerer Grün- und Erholungsflächen und zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führen würde.
Mit finanzieller Unterstützung des Berliner Senats wird eine unsoziale und privatisierte Vermarktung des Spreeufers vorangetrieben. Die Kosten für die infrastrukturelle Anbindung der Großprojekte trägt die Allgemeinheit. Dieses Vorgehen hat in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise System. Kosten und Verluste werden sozialisiert, Gewinne bleiben privat.
Der Investorenzusammenschluss Mediaspree steht beispielhaft für die Privatisierung des öffentlichen Raumes. Die Freiflächen an der Spree soll weiten Teilen der öffentlichkeit vorenthalten und die Naherholung entdemokratisiert, kapitalistisch verwertet und auf zahlungskräftige Klientel zugeschnitten werden. Diese Entwicklung ist aus stadtpolitischer und aus ökologischer Perspektive katastrophal. Wenn wir es nicht schaffen, unseren Kiez vor weiterer Ausplünderung zu bewahren, dann zahlen wir dafür mit einer Zerstörung der kulturellen und sozialen Infrastruktur, mit einer Ersetzung unserer urban-experimentellen Underground- Kiez- und Clubkultur durch einen musikalischen und kulturellen Mainstream, mit steigenden Mieten, mit der Vertreibung eines Großteils der Bevölkerung angrenzender Quartiere und einer allgemeinen Gentrifizierung von Kreuzberg und Friedrichshain, so wie wir es im Prenzlauer Berg der 90er Jahre schon einmal erlebt haben.